„Die Belastungsgrenze der Träger ist durch Haushaltskürzungen, steigernde Kosten und fehlender Planungssicherheit längst überschritten und die Verunsicherung sehr groß“, sagt Dieter Eichler, Geschäftsführer des Paritätischen MV. Zunehmend müssten Angebote eingeschränkt werden. „Beratungsstellen, ambulante Pflegedienste oder Angebote für Menschen mit Behinderung können die Bedarfe Hilfesuchender schon heute nicht mehr decken. Eine Entwicklung, die so nicht weitergehen darf.“
Die Träger warnen eindringlich vor Kürzungen, die zwangsläufig zu einem weiteren Sterben von Angeboten führen werden. „Statt unüberlegter Einsparungen brauchen wir im Land eine vorausschauende Strategie, die Qualität und Versorgung für die Menschen in unserem Land langfristig sichert, gerade im ländlichen Raum“, fordert Eichler.
Der Verbandschef bezeichnet das Bundesteilhabegesetz als eine große Errungenschaft. Doch hinter der Umsetzung des Gesetzes stehe bei allem Nutzen für die Menschen mit Beeinträchtigungen ein riesiger Verwaltungsapparat mit hohen Kosten. „Bevor der Rotstift an den Leistungen für die Menschen angesetzt wird, brauchen wir eine vollständige und aussagekräftige Datenlage für die Eingliederungshilfe in MV. So können wir sehen, wo genau die hohen Kosten entstehen und auf dieser Grundlage eine nachhaltige und in die Zukunft gerichtete Sozialplanung erstellen“, fordert er.
Der Paritätische MV und seine Mitglieder fordern ein klares politisches Signal für den Erhalt und die Stärkung sozialer Angebote und nachhaltige Planungssicherheit. „Mecklenburg-Vorpommern braucht soziale Arbeit und zwar nicht als Option, sondern als Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit“, sagt der Verbandschef und blickt dabei auch auf die vermeintlichen „freiwilligen Leistungen“, die voraussichtlich besonders von Kürzungen betroffen sein werden. Das sind z.B. Beratungsstellen, Begegnungsorte und präventive Unterstützungsangebote, die durch ihre niedrigschwellige Ausgestaltung bislang viele Menschen frühzeitig auffangen konnten. „Statt diese Unterstützungsangebote zukunftsfest abzusichern, berufen sich Land und Kommunen auf die „Freiwilligkeit“ der Finanzierung dieser Leistungen und verkennen damit die Realität“, mahnt Eichler. „Soziale Daseinsvorsorge ist keine freiwillige Aufgabe, sondern ein zentraler Bestandteil des Sozialstaats. Wird sie vernachlässigt, werden immer mehr Angebote nicht nur zurückgefahren, sondern eingestellt.“ So könnten beispielsweise Kinder und Jugendliche ohne Drogen- oder Suchtprävention in schwerwiegendere Problemlagen geraten mit wesentlich teureren Konsequenzen für das Sozialsystem.
Die unter dem Dach des Paritätischen MV vereinten Mitgliedsorganisationen sind große Anbieter sozialer Hilfen in Mecklenburg-Vorpommern und wichtiger Arbeitgeber im Land. Mit ihren Einrichtungen, Angeboten und Diensten unterstützen sie Menschen in Not, halten Kitas und Einrichtungen für Jugendliche, Menschen mit Behinderungen oder Ältere vor und vertreten die Interessen von Hilfebedürftigen und ihren Mitgliedern in Politik und Gesellschaft. Sie fördern freiwilliges Engagement und tragen zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Land bei.
„Wir appellieren an die Politik, die Sorgen der Träger von sozialen Angeboten ernst zu nehmen und sich diesen Problemen in einem offenen Dialog und lösungsorientiert zu stellen“, so Eichler, „bevor es zu spät ist.“