Welttag der Suizidprävention: Der Paritätische MV fordert verlässliche Suizidprävention und psychosoziale Krisenhilfen

Anlässlich des Welttags der Suizidprävention am 10. September fordert der Paritätische Mecklenburg-Vorpommern mehr Anstrengungen für Suizidprävention, Krisenhilfe und Nachsorge. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben 2024 deutschlandweit 10.372 Menschen an Suizid, 261 in Mecklenburg-Vorpommern.

„Suizidprävention darf nicht erst beginnen, wenn eine akute Krise eskaliert. Menschen müssen frühzeitig Unterstützung erhalten und zwar niedrigschwellig und wohnortnah“, fordert Dieter Eichler, Geschäftsführer des Paritätischen Mecklenburg-Vorpommern.

Die Zahlen aus Mecklenburg-Vorpommern sind alarmierend. Mit 16,6 Suiziden je 100.000 Einwohner*innen hatte Mecklenburg-Vorpommern aktuellen Zahlen zufolge die höchste Suizidrate aller Bundesländer. 2023 waren im Land 238 Suizide registriert worden. 2024 stieg die Zahl um 9,7 Prozent auf 261. Rund 81 Prozent der Verstorbenen waren Männer. 

Der Paritätische MV fordert, Suizidprävention nicht auf einzelne Projekte und befristete Förderprogramme zu reduzieren. „Was Menschen in Krisen brauchen, sind erreichbare Beratungsstellen, Krisendienste, psychotherapeutische und psychiatrische Angebote, soziale Unterstützung und Menschen, die zuhören. Diese Strukturen müssen dauerhaft finanziert und überall im Land verfügbar sein“, so Eichler. Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern sei der Zugang zu Hilfen eine besondere Herausforderung. Lange Wege, fehlende Angebote im ländlichen Raum und der vielerorts bestehende Fachkräftemangel könnten dazu führen, dass Menschen in schweren Krisen nicht rechtzeitig die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.

„Ein starker Sozialstaat ist deshalb auch ein Beitrag zur Suizidprävention. Menschen brauchen Perspektiven, soziale Beziehungen und die Gewissheit, in einer schwierigen Lebenssituation nicht allein gelassen zu werden“, betont der Verbandschef. „Wer über Suizidprävention spricht, muss deshalb auch über Armut, Einsamkeit, Wohnungslosigkeit, psychische Belastungen, fehlende Teilhabe und soziale Unsicherheit sprechen.“

Der Paritätische MV begrüßt den von der Bundesregierung im Juni 2026 vorgelegten neuen Referentenentwurf für ein Gesetz zur Stärkung der nationalen Suizidprävention grundsätzlich. Zugleich sieht der Verband erheblichen Nachbesserungsbedarf. Insbesondere für Angehörige und Hinterbliebene müssten verbindliche Angebote der Nachsorge geschaffen und dauerhaft finanziert werden.

„Suizidprävention braucht einen ressortübergreifenden Ansatz und darf nicht an Zuständigkeitsgrenzen scheitern“, so Eichler. Der Paritätische MV fordert, Suizidprävention nicht auf medizinische und psychiatrische Hilfen zu begrenzen, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verankern. Bund und Länder müssten dafür eine Präventionsstruktur schaffen, die medizinische Versorgung mit psychosozialer Beratung, Krisenhilfe, Selbsthilfe und Angehörigenarbeit verbindet und zugleich Maßnahmen gegen Armut, Einsamkeit und soziale Ausgrenzung stärkt. 

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