Kita-Bericht 2026 – Weniger Kinder heißt nicht weniger Kita-Krise

Der heute veröffentlichte Kita-Bericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbands beleuchtet die deutschlandweite Situation von Kitas. Er widerlegt die Annahme, sinkende Kinderzahlen würden den Fachkräftemangel von selbst lösen und benennt konkrete Herausforderungen im Kita-Alltag.

Deutschland verfügt über so viele freie Betreuungsplätze wie nie zuvor: bundesweit bleiben über 550.000 Plätze ungenutzt. Dabei zeigen sich laut Bericht große regionale Unterschiede: In Ostdeutschland bleiben Plätze vor allem wegen sinkender Kinderzahlen frei. In vielen westdeutschen Regionen verhindert dagegen der Fachkräftemangel die Nutzung vorhandener Kapazitäten.

In Mecklenburg-Vorpommern sind die Auswirkungen des demographischen Wandels bereits deutlich zu spüren: 93,7 Prozent der ungenutzten Kitaplätze gehen auf fehlende Kinder zurück. Das ist der höchste Anteil bundesweit. „Wir sehen diese Entwicklung mit großer Sorge“, sagt der Geschäftsführer des Paritätischen MV, Dieter Eichler. „Wo Kitas aufgrund sinkender Kinderzahlen schließen müssen, ist das nicht nur für betroffene Familien eine erhebliche Belastung, sondern hat auch Folgen für die soziale Infrastruktur und die Beschäftigten. Pädagogische Fachkräfte verlieren ihre Arbeitsplätze, obwohl sie dringend gebraucht werden. Für Familien bedeutet ihr Wegfall längere Wege, zusätzlichen Zeitaufwand und eine schlechtere Vereinbarkeit von Familie, Alltag und Beruf. Gleichzeitig gehen gewachsene Strukturen vor Ort verloren.“

Vor diesem Hintergrund haben Land, Kommunen und Kita-Träger im Mai dieses Jahres erste Schritte eingeleitet und einen Zukunftsplan Kita vereinbart. Der blickt unter anderem auf die Folgen der demographischen Entwicklung im Kita-Bereich einschließlich der Sicherung von Beschäftigungsperspektiven für Erzieher und sieht eine qualitative Weiterentwicklung des Kita-Systems vor. „Dieser Plan muss in den kommenden Jahren mit Leben gefüllt werden“, so Eichler. Er beinhalte erste Verbesserung zum 1. Januar 2027 durch eine bessere Fachkraft-Kind-Relation in der Krippe und ab 1. August 2027 im Hort. 

Wie wichtig eine gute Personalausstattung ist, belegt der Kita-Bericht: 65,3 Prozent der Fachkräfte geben an, dass den Bedürfnissen der Kinder mit dem vorgegebenen Personalschlüssel nicht entsprochen werden kann - ein neuer Rekordwert.  „Zunehmende Verhaltensauffälligkeiten treffen auf Personalmangel, hohe Krankenstände und unzureichende Unterstützungsangebote“, fasst Eichler einen Teil der Umfrageergebnisse zusammen. Viele Kinder benötigten aus Sicht der Fachkräfte zusätzliche Förderung, Integrationshilfen oder therapeutische Unterstützung, erhielten diese jedoch nicht aufgrund langwieriger Verfahren, fehlender Fachkräfte oder nicht bewilligter Leistungen. „Die psychische Belastung von Fachkräften hat ein alarmierendes Niveau erreicht“, so Eichler: Fast 90 Prozent der Einrichtungen sprechen von einer starken psychischen Beanspruchung des Personals.

Einrichtungen mit vielen Kindern aus sozial benachteiligten Familien berichten besonders häufig, dass der Personalschlüssel für die nötige Unterstützung nicht ausreicht. „Wir brauchen eine ausreichende Personalausstattung in unseren Kitas“, fordert Eichler, „damit Kinder und Erzieher gute Rahmenbedingungen haben.“ In Mecklenburg-Vorpommern habe man mit dem Zukunftsplan Kita erste wichtige Schritte eingeleitet und bleibe dazu mit allen Verantwortlichen im Gespräch. 

Der Paritätische Gesamtverband fordert mit Blick auf die Herausforderungen einen Sozialindex in der Kita-Finanzierung. Ressourcen sollen sich künftig nicht allein an der Zahl der betreuten Kinder bemessen, sondern gezielt nach Belastungslagen wie Armut, Migration und Inklusionsbedarf verteilt werden. „Jetzt ist nicht die Zeit für Personalabbau. Sondern es ist Zeit, Bildungsgerechtigkeit endlich umzusetzen“; so Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Mit bundesweit 3.267 erfassten Einrichtungen basiert der Kita-Bericht 2026 auf der bislang größten Datenlage des Paritätischen Gesamtverbandes zur Situation in Kindertageseinrichtungen. Aus Mecklenburg-Vorpommern haben 69 Einrichtungen teilgenommen.Damit handelt es sich um eine Stichprobe, die zwar nicht repräsentativ im statistischen Sinn ist, aber groß genug, um belastbare Aussagen zu ermöglichen – insbesondere, weil sie sich über alle Bundesländer verteilt. Die Umfrage wird seit 2021 alle zwei Jahre durchgeführt.

Den vollständigen Kita-Bericht des Paritätischen Gesamtverbands sowie zusammengefasste Ergebnisse finden Sie hier.

Pressekontakt: 
Stephanie Böskens
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