Ländliche Räume: Rückblick auf den Parlamentarischen Abend

Zum Thema “Hier geht kein Weg dran vorbei: Wie mangelnde Erreichbarkeit in ländlichen Räumen Fachkräfte und soziale Angebote ausbremst" hat der Paritätische MV am 29. Oktober mit rund 40 Gästen aus Politik und Mitgliedsorganisationen im Schweriner Schlosscafé über Herausforderungen und Lösungsansätze diskutiert.

Mecklenburg-Vorpommern ist geprägt von ländlichen Räumen. Die dort fehlende Erreichbarkeit von Ausbildungs-, Arbeits- oder Hilfeangeboten aufgrund mangelnder Infrastruktur hat Konsequenzen für die dort lebenden und arbeitenden Menschen und schließlich für die Gesamtgesellschaft.

Gerade in ländlichen Regionen wird deutlich, wie sehr Mobilität, Wohnen, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, Angebote und Bedarfe der Menschen zusammenhängen und einander bedingen. Das eine funktioniert nicht ohne das andere.

Vertreter aus drei Mitgliedsorganisationen haben das in einer Diskussionsrunde an ganz konkreten Beispielen dargestellt. Silke Becker, Vorstand der Volkssolidarität Bad Doberan / Rostock Land e.V., schilderte die Herausforderungen von Pflegediensten in ländlichen Räumen mit ihren weiten Wegen. Bürokratische Hürden erschwerten die Arbeit zusätzlich. Es sei schwierig, junge Pflegekräfte für ländliche Regionen zu finden, unter anderem deswegen, weil sich viele junge Menschen keinen Führerschein mehr leisten können. Das könne auch der Arbeitgeber nicht leisten. Frau Becker wünscht sich insgesamt mehr Mitsprache und praxisnahe, einfache Lösungen für die Herausforderungen in der Fläche.

Anna Ziebart leitet den Hort beim Trägerwerk Sozialer Dienste Mecklenburg-Vorpommern. Zum Hort gehören vier Schulen, keine davon ist fußläufig. Ohne einen horteigenen Fahrdienst wären viele Kinder regelrecht abgehängt, sagt sie. Sie bekämen kein Mittagessen und keine Hausaufgabenbetreuung. Aktuell wird auf Landesebene der Rechtsanspruch auf den Hort für alle Grundschüler vorbereitet.  So will das Land die Ganztagsbetreuung stärken und für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sorgen. Die Kooperation zwischen Schule und Horten ist dabei noch nicht abschließend geregelt. Anna Ziebart macht deutlich, dass ein Hort vielerorts in MV nur mit Unterstützung von Fahrdiensten erreicht werden kann. 

Frederik Wolf vom Betreuungsverein der Volkssolidarität NORDOST e.V. zeigte sich enttäuscht über die neue Finanzierungsverordnung für die Betreuungsvereine. Er begrüßte ausdrücklich die Aufstockung der Landesmittel für die Betreuungsvereine, denn diese waren seit Jahren unterfinanziert. Doch der Bedarf an Betreuung steige in unserem “überalterten” Bundesland und das Einzugsgebiet der Betreuer sei insbesondere in ländlichen Regionen riesig. Wolf kritisierte, dass es Betreuungsvereinen aufgrund der Verordnung nicht möglich sei, bestehende Außenstellen zu finanzieren. Die aktuelle Finanzierungs-Verordnung sieht für eine Außenstelle lediglich 2.000 Euro pro Jahr vor. Das sei bei weitem nicht ausreichend, um das Angebot aufrecht zu erhalten. Betreuungsvereine betreiben diese Außenstellen, um Beratungsangebote für ehrenamtliche Betreuer dort vorzuhalten, wo ein Bedarf besteht. Neue Außenstandorte sind grundsätzlich von der Förderung ausgeschlossen. Damit habe das Sozialministerium hat eine Finanzierungsversordnung erlassen, die den Betrieb von Außenstandorten von Betreuungsvereine praktisch unmöglich macht.

Leittragende sind vor allem die ländlichen Räume.

Fazit: Die Herausforderungen in ländlichen Räumen sind in in jeder Hinsicht groß. Es bedarf individuelle Lösungsansätze, um diesen Herausforderungen entgegentreten zu können. Bestimmte Regelungen, die in Städten oder stadtnahen Orten umsetzbar sind, sind es auf dem Land nicht. 

Es wurde sehr deutlich, wie wichtig die Funktion von Verbänden und Vereinen in ländlichen, strukturschwachen Räumen für das lokale Gemeinwesen ist: Durch ihre Angebote wie z.B. Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten oder Beratungsstellen stärken sie die soziale Infrastruktur und die Menschen, die sie nutzen. Und wer Menschen stärkt, stärkt auch die Demokratie.

Der Paritätische MV hat das Jahr 2024 unter das Schwerpunktthema “Ländliche Räume” gestellte und auf verschiedenen Veranstaltungen die Herausforderungen der sozialen Infrastruktur thematisiert. Auf der Mitgliederversammlung wurde ein Positionspapier verabschiedet, welches auch im Rahmen des Parlamentarischen Abends vorgestellt wurde. 

Es wurde deutlich, wie wichtig es ist, insbesondere in ländlichen Räumen systemisch zu denken, um einer Versorgungsnotlage zu entgehen und Regionen zukunftsfest weiterzuentwickeln. Es ist das Gesamtsystem „Bedarf, Angebot, Mobilität, Wohnen, Ausbildung/ Arbeit “, das nur gemeinsam funktioniert. Das eine funktioniert nicht ohne das andere.