„Unsere Studie zeigt, dass finanzielle Hilfe in der häuslichen Pflege erschreckend oft ausbleibt – obwohl sie dringend gebraucht wird und rechtlich vorgesehen ist“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Dr. Joachim Rock. „Bund und Länder müssen endlich die Menschen in der ambulanten Pflege in den Blick nehmen und Pflegearmut entschieden bekämpfen.”
Alle pflegebedürftigen Menschen haben sozialhilferechtliche Ansprüche auf Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII, wenn die Leistungen der Pflegeversicherung und das eigene Einkommen und Vermögen nicht ausreichen, die Bedarfe zu decken – auch in der ambulanten Pflege. Die neue Studie “Pflegearmut” des Rechtswissenschaftlers Prof. Dr. Klie zeigt, dass in der Regel nur einer von fünf Armutsbetroffenen in häuslicher Pflege die ihr zustehende Hilfe bekommt. Neben Unwissen, Scham und ausbleibender Beratung führten unterschiedliche Verwaltungspraxen der zuständigen Sozialämter zu der von der Studie beleuchteten Unterversorgung von Pflegebedürftigen in der Häuslichkeit.
‚Hilfe zur Pflege‘ zur Stärkung der häuslichen Pflege finde mit wenigen Ausnahmen untergeordnet statt und sei stark vom Wohnort abhängig. Vergleicht man die bundesweiten Zahlen der Inanspruchnahme der ‚Hilfe zur Pflege‘, steht Mecklenburg-Vorpommern mit 2,3 Prozent (Bundesdurchschnitt: 1,8 %) verhältnismäßig gut da. Die Gründe dafür seien spekulativ aber naheliegend, meint Dieter Eichler, Geschäftsführer des Paritätischen MV. „In Mecklenburg-Vorpommern leben neben Sachsen-Anhalt die meisten alten Menschen und die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich laut aktuellem BARMER Pflegereport in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt– von rund 67.000 im Jahr 2011 auf etwa 140.000 heute. Damit ist mittlerweile jeder elfte Mensch in MV pflegebedürftig.“
Die Studie des Paritätischen ermittelt die Zahl der potenziell Anspruchsberechtigten auf die Sozialleistung ‘Hilfe zur Pflege’ mittels Modellrechnungen, die auf Daten des Statistischen Bundesamtes zur Grundsicherung beruhen.
Mehr als 80 Prozent der Pflegebedürftigen in MV werden von ihren Angehörigen zuhause gepflegt, häufig mit Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes. Die Debatte um Pflegearmut mit Inanspruchnahme von Hilfe zur Pflege wurde bislang fast ausschließlich in Bezug auf den stationären Bereich und der Eigenanteile für Pflegeheimbewohner geführt. „Diese Studie zeigt, dass die Pflege in der Häuslichkeit ohne ausreichende strukturelle Unterstützung zu finanziellen, sozialen und gesundheitlichen Überlastungen führen kann“, so Eichler. Sie verdeutliche einmal mehr den dringenden Reformbedarf in der Pflege, damit sich die Armut von Pflegebedürftigen nicht weiter verschärfe und die Versorgung bei Pflegebedürftigkeit nicht vom Wohnort abhänge.
Um das Pflege-System in Deutschland insgesamt aus der Krise zu führen und die Unterversorgung und Armut von Pflegebedürftigen zu bekämpfen, setzt sich der Paritätische Gesamtverband zudem für eine solidarische Pflegevollversicherung sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich ein.
Die Studie finden Sie auf der Website des Paritätischen Gesamtverbands: https://www.der-paritaetische.de
Pressestelle des Paritätischen Gesamtverbands: E-Mail: pr@paritaet.org Telefon: 030 24636-305
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