Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen: Beratung und Hilfe weiter stärken

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November fordert der Paritätische Mecklenburg-Vorpommern bestehende Schutzmaßnahmen für betroffene Frauen und ihre Kinder weiter auszubauen und die Istanbul-Konvention konsequent umzusetzen.

„Wir haben hierzulande ein gut funktionierende Beratungs- und Hilfenetz für Betroffene häuslicher und sexualisierter Gewalt“, sagt der Vorsitzende des Paritätischen Mecklenburg-Vorpommern, Friedrich Wilhelm Bluschke. Aber insbesondere im ländlichen Raum fehle es nach wie vor an Anlaufstellen. „Insbesondere in der aktuellen Corona-Krise müssen Frauen häufig in vielfältigen Problemlagen unterstützt und beraten werden“, sagt er. Das Land habe in den vergangenen Jahren bereits in Frauenhäuser investiert. „Es muss jedoch sicherstellen, dass das Hilfenetz flächendeckend mit angemessenen personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattet wird.“

Laut Statistik ist deutschlandweit jede dritte Frau mindestens einmal im Leben von Gewalt betroffen. Im Mecklenburg-Vorpommern wurde 2019 4.531 Fälle von häuslicher und sexualisierter Gewalt, von Stalking, Menschenhandel und Zwangsverheiratung erfasst. Bluschke fordert die konsequente Umsetzung der Instanbul Konvention auf Landesebene. Diese stellt deutliche Anforderungen an die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. „Um häusliche Gewalt wirksam zu bekämpfen und Frauen in einer Notsituation schnell  zu helfen, ist die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen von Bund, Ländern und Kommunen notwendig“, fordert Bluschke.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es neun Frauenhäuser mit insgesamt 67 Plätzen. Weil die Kapazitäten nicht ausreichen, müssen immer wieder Frauen abgewiesen werden. Das Autonome Frauenhaus Rostock musste im vergangenen Jahr 60 Frauen abweisen. „Zum Teil konnten die Frauen an andere Häuser in Mecklenburg-Vorpommern oder bundesweit vermittelt werden“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins Stark machen, Ulrike Bartel, der Träger des Frauenhauses ist. In der Region Rostock konnte der Verein im vergangenen Jahr insgesamt 879 gewaltbetroffenen Frauen Beratung und Schutz bieten. Im ersten Halbjahr 2020 waren es schon 507 Frauen, berichtet Bartel. „Die Fallzahlen steigen schon seit vielen Jahren, auch weil immer mehr Frauen den Mut finden, sich Hilfe zu holen“, sagt sie.

Neben einer auskömmlichen Finanzierung des Hilfesystems sei es wichtig, dass Betroffene und ihr Umfeld diese Hilfsstrukturen kennen.  Neben der Rufnummer des bundesweiten Hilfetelefons (Gewalt gegen Frauen 08000116016 www.hilfetelfon.de) müsse die Gesellschaft insgesamt sensibilisiert und motiviert werden, sich gegen Gewalt einzusetzen und Betroffenen zu helfen, meint der Vorsitzende des Paritätischen. „Dazu sind wir alle aufgerufen, nicht nur an diesem Gedenktag.“

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