„Rauschtrinken, Cannabiskonsum, Partypillen - Sucht ist ein bekanntes und vielschichtiges Problem, das hierzulande zunehmend Jugendliche und junge Erwachsene betrifft“, sagt der Geschäftsführer des Paritätischen MV, Dieter Eichler. Nach Alkohol steht der Konsum von Cannabis nach Informationen der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen MV (LAKOST MV) auf Platz zwei der Suchtproblematiken. Außerdem nehmen sogenannte „Verhaltenssüchte“ zu. Dazu gehören Internetsucht, die exzessive Nutzung sozialer Medien sowie von Streaming-Portalen. „Das ist eine besorgniserregende Entwicklung, auf die Politik und Gesellschaft mit viel Aufklärungsarbeit und Unterstützungsangeboten reagieren müssen“, fordert der Verbandschef.
Insgesamt 9790 Menschen haben laut LAKOST MV im Jahr 2022 Unterstützung in einer Einrichtung für Sucht- und Drogenberatung in Mecklenburg-Vorpommern gesucht, davon 8836 Menschen mit eigener Symptomatik und 954 Angehörige.
Suchtberatungsstellen sind wichtige Anlaufstellen für Suchtkranke oder –gefährdete sowie ihre Angehörigen. Sie begleiten, beraten, behandeln und öffnen Perspektiven. Doch der besonderen Bedeutung von Suchtberatungsstellen stehe seit Jahrzehnten eine chronische Unterfinanzierung gegenüber. Diese Problematik spitze sich vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen mit multiplen Problemlagen mit längerer Betreuungsdauer bei Personalmangel und Finanzierungssorgen weiter zu. Mit fatalen Konsequenzen, so Eichler: eine aktuelle bundesweite Befragung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) belegt, dass immer mehr Beratungsangebote eingeschränkt oder sogar komplett gestrichen werden müssen.
„Gerade in unserem Flächenland ist es wichtig, diese Strukturen zu erhalten und Hilfebedürftigen den Zugang wohnortnah zu gewährleisten“, fordert Eichler. „Doch Suchtberatung ist eine freiwillige Leistung der Kommunen und keine Pflichtaufgabe“. In Zeiten knapper Kassen werde insbesondere bei freiwilligen Leistungen gespart. Die Folge: Suchterkrankte können nicht mehr adäquat versorgt werde, ganze Landstriche müssten ohne Beratungsangebot auskommen, so das Fazit der DHS.
Der Paritätische MV fordert daher verbindliche Strukturen sowie eine verlässliche Finanzierungsgrundlage für das Angebot der Suchtberatung und –prävention. „Suchthilfe gilt als entlastender Faktor für das Gemeinwesen“, sagt Eichler. Eine gut ausgestattete Suchtberatung diene dem Wohl der Gesellschaft und sei daher unverzichtbar, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.
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