Ausgangspunkt des Papiers ist die Beobachtung, dass das Bildungsverständnis der Kinder- und Jugendhilfe selbst innerhalb des eigenen Feldes häufig nur unzureichend beschrieben und vermittelt wird. Gleichzeitig werden die bildungspolitischen Debatten zunehmend von Themen wie basalen Kompetenzen, Sprachstandserhebungen, Mindeststandards und Schulfähigkeit geprägt.
Die AGJ stellt dem ein Verständnis von Bildung gegenüber, das die Kindertagesbetreuung als eigenständigen Bildungsort mit einem umfassenden Auftrag begreift. Bildung vollzieht sich demnach nicht allein über die Vermittlung von Wissen, sondern in Beziehungen, im Spiel, in der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt und in der Teilhabe am sozialen Leben.
Vier zentrale Aufgaben frühkindlicher Bildung
Um den Bildungsauftrag der Kindertagesbetreuung zu schärfen, beschreibt die AGJ vier zentrale Dimensionen:
1. Wohlbefinden gewährleisten und Beziehungen gestalten
Lernen gelingt nur dann, wenn Kinder sich sicher, anerkannt und emotional unterstützt fühlen. Die AGJ betont, dass Wohlbefinden und verlässliche Beziehungen keine Nebenaspekte, sondern grundlegende Voraussetzungen für Bildungsprozesse sind.
2. Selbstwirksamkeit stärken
Kinder lernen vor allem durch eigenes Handeln, durch Neugier, Spiel und soziale Interaktion. Die AGJ hebt hervor, dass Selbstwirksamkeit eine grundlegende Voraussetzung für spätere Lernprozesse darstellt und deshalb als zentrale Bildungsaufgabe verstanden werden muss.
3. Benachteiligungen abbauen
Der Abbau von Bildungsungleichheiten gehört zum Kernauftrag der Kinder- und Jugendhilfe. Bildungsbenachteiligungen werden dabei nicht als individuelles Defizit verstanden, sondern als Folge sozialer und struktureller Bedingungen. Die AGJ plädiert dafür, Benachteiligungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit Schule und Jugendhilfe systematisch abzubauen.
4. Partizipation und Teilhabe fördern
Kinder sollen Bildungsprozesse aktiv mitgestalten können. Partizipation stärkt Motivation, Selbstwirksamkeit und demokratische Kompetenzen. Gleichzeitig ist sie eine zentrale Voraussetzung für inklusive Bildung und gesellschaftliche Teilhabe.
Kooperation statt Konkurrenz
Die AGJ versteht die unterschiedlichen Bildungsverständnisse von Schule und Kindertagesbetreuung nicht als Widerspruch, sondern als Chance. Schule und Kinder- und Jugendhilfe verfolgen unterschiedliche, aber sich ergänzende Ziele. Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht durch eine Angleichung der Systeme, sondern durch die bewusste Verbindung ihrer jeweiligen Stärken.
Das Diskussionspapier finden Sie unter diesem LINK.