Tag der pflegenden Angehörigen: Der Paritätische Mecklenburg-Vorpommern fordert bessere Unterstützung statt neuer Belastungen

Zum Tag der pflegenden Angehörigen am 8. September würdigt der Paritätische Mecklenburg-Vorpommern ihre unverzichtbare Leistung. Er fordert die Politik auf, pflegende Angehörige nicht weiter zu belasten. Der derzeit diskutierte Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) müsse an entscheidenden Stellen nachgebessert werden.

„Pflegende Angehörige tragen einen wesentlichen Teil unseres Pflegesystems. Sie übernehmen Verantwortung für ihre Familien und leisten damit auch einen enormen gesellschaftlichen Beitrag. Dafür verdienen sie Respekt, Anerkennung und vor allem verlässliche Unterstützung – keine Verschlechterungen“, sagt der Geschäftsführer des Paritätischen MV, Dieter Eichler.

In Mecklenburg-Vorpommern werden mehr als 80 Prozent aller Pflegebedürftigen zuhause versorgt. Ambulante Pflegedienste, Tagespflegen und weitere professionelle Unterstützungsangebote seien entscheidend dafür, dass Pflege zuhause überhaupt gelingen kann, meint Eichler: „Professionelle Pflege und Angehörigenpflege gehören zusammen.“

Mit Sorge blickt er auf den noch nicht verabschiedeten Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes. „Eine Reform der Pflegeversicherung ist notwendig“, so Eichler. „Sie darf aber nicht auf Kosten der Menschen gehen, die bereits heute einen großen Teil der Pflege übernehmen.“

Besonders kritisch bewertet der Paritätische MV die geplante Absenkung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige. Nach dem Entwurf sollen die Beiträge, die die Pflegeversicherung für pflegende Angehörige zahlt, auf 70 Prozent der bisherigen Werte reduziert werden. Für Menschen, die ihre Erwerbstätigkeit wegen der Pflege reduzieren oder aufgeben, bedeutet dies eine Verschlechterung ihrer sozialen Absicherung im Alter. „Wer wegen der Pflege eines Angehörigen weniger arbeitet, nimmt häufig schon finanzielle Einbußen in Kauf. Wenn dann auch noch die Absicherung für das Alter gekürzt wird, wird das Engagement pflegender Angehöriger faktisch bestraft. Das können wir nicht akzeptieren“, erklärt der Landesgeschäftsführer.

Auch die geplante Neuordnung der Leistungen für die häusliche Pflege sieht der Paritätische MV kritisch. Vorgesehen sind unter anderem Veränderungen beim Entlastungsbetrag sowie der Kurzzeit- und Verhinderungspflege. „Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen darf daraus kein weniger verlässliches Unterstützungssystem entstehen“, meint der Verbandschef. Professionelle Beratungs- und Unterstützungsangebote müssten erhalten und gestärkt werden. 

„Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Angehörigenpflege als selbstverständlich verfügbar zu betrachten. Angehörige sind keine Pflegekräfte zum Nulltarif. Sie sind Mütter und Väter, Töchter und Söhne, Partnerinnen und Partner. Sie haben Berufe, Familien und Lebenspläne. Gute Pflegepolitik muss dafür sorgen, dass sie ihre Angehörigen unterstützen können, ohne dabei selbst auf der Strecke zu bleiben“, sagt Eichler.

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