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Sprachmittler*innen sorgen für Verständigung – digital und deutschlandweit

Sprach- und Integrationsmittlung ist für viele Menschen unverzichtbar auf der Suche nach Lösungen für ihre Anliegen sowie eine entscheidende Voraussetzung für die Wahrnehmung ihrer Rechte und Teilhabe. Eine junge Iranerin hilft im Projekt SprInt Digital auch online bei Sprachbarrieren.

Sprach- und Integrationsmittler*innen helfen bei Sprachbarrieren
„Sich gegenseitig zu verstehen, ist die Grundlage für eine gelingende Kommunikation und Integration“, sagt Susanne Düskau, Projektkoordinatorin des Netzwerks für Sprachmittlung in Mecklenburg-Vorpommern und Vorstandsmitglied des Rostocker Vereins Diên Hông. Professionelle und fachkundige Sprach- und Integrationsmittlung ist daher für viele Menschen unverzichtbar auf der Suche nach Lösungen für ihre Anliegen und eine entscheidende Voraussetzung für die Wahrnehmung ihrer Rechte und für ihre Teilhabe. Und nur so kann eine problemlose und effektive Zusammenarbeit von Fachkraft und Klient*innen wirksam unterstützt werden.

Dolmetschen, informieren, assistieren: Gute Qualifikation als Voraussetzung für effektive Zusammenarbeit
Sprach- und Integrationsmittler*innen (SprInt) unterstützen Fachpersonal bei der Kommunikation mit fremdsprachigen Bürger*innen im Bildungs-, Gesundheits-, Sozial- und Justizwesen persönlich, direkt vor Ort, per Video oder per Telefon. Sie dolmetschen, informieren und assistieren den Fachkräften. Die Kunden von SprInt sind z.B. Schulen, Arztpraxen, Kliniken sowie psychotherapeutische Einrichtungen. In allen Einsatzbereichen ist detailliertes Fachwissen gefragt. Um das leisten zu können, werden Sprach- und Integrationsmittler*innen in einer umfassenden 18-monatigen Vollzeit-Qualifizierung weitergebildet.

Missverständnissen vorbeugen durch qualifizierte Sprachmittlung
 „Ohne die Hinzunahme von SprInt kommt es oft zu Missverständnissen. Diese können schwerwiegende Folgen haben. Notwendige Unterstützungsmaßnahmen werden nicht eingeleitet oder bleiben ineffizient, es kommt zu unnötigen Mehrfachterminen oder gar Fehlbehandlungen. Das kostet nicht nur unnötig zeitliche und finanzielle Ressourcen, sondern führt zu Unzufriedenheit auf beiden Seiten und behindert den Integrationsprozess erheblich“, erklärt Susanne Düskau. „Des Weiteren werden aktuell leider immer noch von Einsatzstellen oft Laiendolmetscher oder Verwandte eingesetzt, häufig auch Kinder. Das überfordert insbesondere die Kinder oder die nahestehenden Familienangehörigen und kann zusätzlich zu langen und unnötigen Beratungsprozessen oder sogar zu Fehldiagnosen beim Arzt führen“, gibt Susanne Düskau zu bedenken.

Rostocker Verein Diên Hông  koordiniert Sprachmittler in MV
Unter dem Dach des Rostocker Vereins Diên Hông wird der Einsatz von Sprachmittler*innen in Mecklenburg-Vorpommern koordiniert. Seit 2017 ist dort das landesgeförderte Netzwerk für Sprachmittlung angesiedelt, das für vier Sprachmittlerpools zuständig ist. 250 Sprachmittler*innen und 40 verschiedene Sprachen stehen insgesamt in dem Netzwerk Sprachmittlung MV an den vier Standorten Rostock, Schwerin, Greifswald und  Neubrandenburg zur Verfügung.

Digital dolmetschen: Großer Vorteil für ländlichen Raum
Seit zwei Jahren beteiligt sich der Verein Diên Hông auch am Projekt „SprInt Digital“. Das Ziel des Projektes ist es, dass Einrichtungen in der Lage sind, Sprach- und Integrationsmittler*innen auch per Telefon und per Video zu den Gesprächen mit Zugewanderten hinzuzuziehen; auch im ländlichen Raum. Als weiterer Vorteil sind viele Sprachen bei kurzfristigem Bedarf sofort verfügbar. Wird beispielsweise in einer Kita in Dresden eine Sprachmittlung für Vietnamesisch benötigt, buchen die zuständigen Stellen über SprInt Digital einen Sprachmittelnden für eine Videokonferenz. „Vietnamesisch ist eine Besonderheit am Standort Rostock, die Sprache bedeutet für das Projekt SprInt Digital einen großen Mehrwert, da die Sprache sehr gefragt ist“, ergänzt die zuständige Koordinatorin Steffi Guddat-Goscinski.

Netzwerk Integrationsmittlung SprInt qualifiziert deutschlandweit
Das Projekt „SprInt Digital“ wird koordiniert von der gemeinnützigen SprInt eGenossenschaft in Wuppertal. Hier sitzt auch die deutschlandweite Buchungszentrale. Die SprInt geG hat bereits jahrzehntelange Erfahrung in der Qualifizierung und Erbringung von professioneller und fachkundiger Sprach- und Integrationsmittlung. Die SprInt geG ist auch der Stammsitz des deutschlandweiten Netzwerks der Sprach- und Integrationsmittlung SprInt. Zu dessen Netzwerk gehört auch der Verein „Diên Hông - Gemeinsam unter einem Dach e.V.“ in Rostock mit seinen Sprachmittlungsangeboten für persönliche Einsätze vor Ort, per Telefon und per Video.

Kulturkenntnisse als wichtige Voraussetzung für Sprachmittlung
„Sprach- und Integrationsmittler*innen sind nicht nur Dolmetscher, sondern auch Kulturmittler“, erklärt Achim Pohlmann, Geschäftsführender Vorstand und Gründungsmitglied der SprInt geG in Wuppertal. „Das heißt, sie dolmetschen nicht nur fachspezifisch, sondern informieren, erkennen Missverständnisse und klären die Gesprächsbeteiligten umgehend über deren Ursachen auf.“ Sie sind eng vertraut mit der Kultur des Herkunftslandes und können auch in soziokulturell sensiblen Fragen kompetent vermitteln, wie zum Beispiel in Bezug auf Erziehungsstile, Geschlechterrollen oder im Umgang mit Krankheit. „Das fördert Vertrauen und Sicherheit in Gesprächen“, beschreibt Pohlmann. „Außerdem unterliegen sie den Grundsätzen der Schweigepflicht, Transparenz und Allparteilichkeit.“

Sprachmittlerin: „Kleinigkeiten führen oft zu großen Kommunikationsschwierigkeiten“
Sprach- und Integrationsmittlerin, der SprInt gemeinnützigen eGenossenschaft in Wuppertal, Hivi Bamarny erklärt: „Häufig sind es nur Kleinigkeiten, die zu großen Kommunikationsschwierigkeiten führen können. Besonders die Bürokratie in Deutschland ist kompliziert, erst recht, wenn man der deutschen Sprache nicht mächtig ist.“ Sie selbst hat sich bei ihrer Ankunft in Deutschland, in den 1990er Jahren, auch oft schwergetan. Gebürtig stammt Bamarny aus dem Nordirak. Sie spricht arabisch und kurdisch. Weil Bamarny sich wünschte, dass es andere Menschen bei ihrer Integration in Deutschland leichter haben, hat sie die Chance genutzt und die Qualifizierung zur Sprach- und Integrationsmittlerin absolviert. Seit zehn Jahren dolmetscht sie nun Gespräche in ganz unterschiedlichen Situationen und Institutionen.

SprInt Digital: deutschlandweit möglich per Video oder Telefon
Heute sitzt Bamarny für das Projekt „SprInt Digital“ in einer Dolmetschkabine vor einem Bildschirm. Über ihren Computer und ein Headset ist sie gerade mit dem Sozialamt verbunden. Ihre Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen ist gefragt. Bamarny erklärt: „Der große Vorteil ist, dass ich über Telefon oder Video allen Gesprächsbeteiligten deutschlandweit, schnell und flexibel helfen kann. Und was nun zu Zeiten der Corona-Pandemie besonders wichtig ist, die Sprach- und Integrationsmittlung funktioniert auf diesem Wege kontaktlos.

 „Zu Beginn ist eine Verdolmetschung per Telefon oder per Video im Vergleich zu einer Vor-Ort-Verdolmetschung eine Umstellung“, so Bamarny „da man durch Mimik und Gestik in der persönlichen Gesprächssituation manche Situationen leichter einschätzen kann.“ Aber nach ihrer Erfahrung im Arbeitsalltag gewöhnen sich alle Gesprächsbeteiligten schnell an die neue Situation per Telefon oder per Video. Nach Rückmeldungen ist es für viele Klient*innen sogar angenehmer, besonders wenn es um persönliche und sensible Themenbereiche geht, wenn die/der Sprach- und Integrationsmittler*in per Telefon oder Video zugeschaltet ist.

Supervision nach emotional belastenden Einsätzen
Bamarny wird mehrmals am Tag als Sprach- und Integrationsmittlerin gebucht. Es geht um klinische Anamnesegespräche, Klärungen im Bereich des Arbeitslosengeld II, aber auch um Gespräche in Bezug auf einen anstehenden Schulwechsel. Häufig fehlt einfach das Verständnis für die Inhalte von Unterlagen. Doch es gibt auch emotional belastende Einsätze. „Wenn es um Gewalterfahrungen auf der Flucht oder traurige Familiengeschichten geht, ist das Distanzhalten schon schwierig“, weiß Bamarny.

Für diese Fälle bietet die SprInt geG seinen Mitarbeitenden eine Supervision als Gruppenangebot sowie als Einzelsitzungen an. „Hier lernen die Sprach- und Integrationsmittler*innen mit einer Trainerin, wie sie mit allgemeinen und konkreten Herausforderungen sowie Konflikten während einer Sprach- und Integrationsmittlung umgehen können“, erklärt Klaus Stein, Bereichsleiter des Buchungsservice der SprInt geG in Wuppertal. „Sie bekommen außerdem praktische Mechanismen an die Hand, wie sie die professionelle Distanz noch besser wahren können.“

Auch während der Lockdown-Phasen in der Corona-Pandemie sind Sprach- und Integrationsmittler*innen in ganz Deutschland regelmäßig im Einsatz. Entweder persönlich, direkt vor Ort mit Maske und Abstand oder sie werden per Video oder Telefon hinzugeschaltet. So wie Bamarny. Dass die junge Frau an ihrem Schreibtisch mit Headset in Wuppertal sitzt, spielt dann keine Rolle.

SprInt Digital
Das Projekt SprInt Digital ist zunächst von 2019 bis 2022 angelegt. Das Ziel ist eine flächendeckende Bereitstellung von Video und Tele-SprInt in Deutschland. Dolmetsch-Kabinen gibt es an den SprInt-Standorten in Chemnitz, Leipzig, Rostock und Wuppertal. Das Projekt wird
gefördert durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU und zusätzlichen Landesmitteln aus Sachsen.

SprInt gemeinnützigen eGenossenschaft
 Insgesamt zählt das Netzwerk mit Stammsitz in Wuppertal 20 Organisationen im ganzen Bundesgebiet zu seinen Mitgliedern. Sie alle arbeiten daran, SprInt als professionelle und soziale Dienstleistung möglichst flächendeckend anzubieten. Dazu gehören die Durchführung von SprInt-Qualifizierungen und der Aufbau von Vermittlungsstellen nach den gemeinsamen Qualitätsstandards des SprInt-Netzwerks. Dadurch soll die Versorgungsstruktur für Personen mit Migrationshintergrund im Bildungs-, Gesundheits-, Sozial- und Justizwesen durch den Einsatz von professionellen Sprach- und Integrationsmittler*innen verbessert werden. Gleichzeitig bietet das Netzwerk in Deutschland lebenden Migrant*innen durch die Qualifizierung eine berufliche Perspektive.

Weitere Informationen finden Sie unter
www.dienhong.de/sprint-digital/
www.dienhong.de/netzwerk-fuer-sprachmittlung-in-mv/
www.sprinteg.de