„Pakt für Pflege“ lautet jeweils der Arbeitstitel für Großprojekte zur Gestaltung der Pflegelandschaft und des Sozialraums in den Bundesländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Zielsetzungen wurden in beiden Bundesländern jeweils durch den Landespflegeausschuss erarbeitet. Während in Mecklenburg-Vorpommern der „Pakt für Pflege“ erst kürzlich verabschiedet wurde, kann das Nachbarland Brandenburg schon auf eine vierjährige Laufzeit des Pakts für Pflege zurück blicken. Damit verbunden ist auch ein Vorsprung an Erfahrungen, die vor dem Pfingstwochenende im Schweriner Sozialministerium vorgestellt wurden.
Genau genommen geht der Vorlauf in Brandenburg bereits gute zehn Jahre zurück. Schon 2014 brachte eine Fachkräfte-Studie im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg die schlichte Erkenntnis, dass einer rückläufigen Verfügbarkeit an qualifizierten Personal eine zunehmend wachsende Zahl an pflegebedürftigen Menschen gegenübersteht. Brandenburg reagierte 2015 mit einer Pflegeoffensive, mit der die Ausbildung von Pflegekräften gestärkt und zur Gestaltung des Sozialraums die „Fachstelle Altern und Pflege im Quartier“ (FAPIQ) gegründet wurde. Auf dieser Pflegeoffensive bauen die vier Säulen des Brandenburger „Pakts für Pflege“ von 2020 auf: Stärkung der Pflege vor Ort, Stärkung der Pflegeberatung, Stärkung von Kurzzeitpflege und Tagespflegen, Stärkung der Pflegeausbildung. Dabei ist die erste Säule „Pflege vor Ort“ das Herzstück des Brandenburger Pakts für Pflege. Getragen wird der Pakt für Pflege in Brandenburg von der Erkenntnis, dass neben das Leistungssystem der Pflegeversicherung die konsequente Entwicklung des Sozialraums der entscheidende Ansatz ist, um den Grundsatz „ambulant vor stationär“ in einer attraktiven Lebenswelt zu verwirklichen. Für jede Gemeinde des Landes wurden mit sogenannten „Pflegedossiers“ einheitliche Bestandsaufnahmen zur aktuellen pflegerischen Situation vor Ort erhoben.
Knapp 20 Millionen Euro investiert das Land Brandenburg jährlich in diese vier Säulen des Pakts für Pflege. Der Großteil des Geldes fließt dabei in die kommunale Ebene zur Stärkung der Strukturen und zur Förderung lokaler Projekte. Der Eigenanteil der Landkreise, Städte und Gemeinden liegt dabei regelmäßig bei 20% der Fördersumme. Begleitet werden die Projekte von der Antragstellung bis zur Verwirklichung durch die „Fachstelle für Altern und Pflege im Quartier“ (FAPIQ), die sich Landesweit an vier regionalen Standorten mit 20 Mitarbeitern für eine effektive Projekt-Verwirklichung einsetzt. Mit diesen Mitteln ist es dem Land Brandenburg gelungen, die Kommunen ins Boot zu holen: Alle Landkreise und der ganz überwiegende Teil der Gemeinden haben seit 2020 im Rahmen des Pakts für Pflege verantwortliche Strukturen und Projekte vor Ort aufgebaut. Der Pakt für Pflege in Brandenburg wird von einer großen Gemeinsamkeit getragen, die im Ausgangsdokument durch das Wort „Wir“ gezeichnet wird.
In Brandenburg wächst die Perspektive, die gewonnen Strukturen des Pakts für Pflege im Landespflegegesetz zu verstetigen. Grundlage hierfür wird auch eine Evaluierung sein, die im Auftrag des Landes durch ein unabhängiges Institut durchgeführt wurde und in diesem Jahr veröffentlicht wird. Demgegenüber steht Mecklenburg-Vorpommern noch am Anfang dieser Entwicklung. Einer grundlegenden Bestandsaufnahme muss der notwendige Aufbau einer Pflege-Offensive folgen, die auch von den Verantwortlichen in der Staatskanzlei und dem Finanzministerium getragen wird. Der im Landespflegeausschuss beschlossene „Pakt für Pflege“ ist ein erster Schritt auf diesem Weg.