Migrationsbericht 2024: Nettozuwanderung deutlich gesunken – Migration bleibt strukturell prägend

Die aktuellen Zahlen zeigen einen deutlichen Rückgang der Nettozuwanderung im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig bleibt Migration ein zentraler Faktor der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung.

Der vom Forschungszentrum des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erstellte Migrationsbericht 2024 wurde am 4. Februar 2026 durch das Bundeskabinett beschlossen. Der Bericht enthält umfassende Wanderungsdaten für Deutschland, einen europäischen Vergleich sowie Analysen zur Asylzuwanderung, Erwerbs- und Bildungsmigration und zur Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte.

Wanderungsbewegungen
Im Jahr 2024 sind 1.694.192 Personen nach Deutschland zugewandert (-12,3 Prozent). 1.264.009 Personen sind fortgezogen (-0,4 Prozent). Die Nettozuwanderung sank damit von +662.964 im Jahr 2023 auf +430.183 Personen (-35,1 Prozent).

Die Zuwanderung ging aus nahezu allen wichtigen Herkunftsländern zurück, darunter aus der Ukraine, Rumänien, der Türkei, Polen und Syrien. Trotz des Rückgangs bleibt der Wanderungssaldo deutlich positiv.

Europa als zentrale Migrationsregion
Das Migrationsgeschehen ist weiterhin stark europäisch geprägt. 61,3 Prozent der Zuzüge erfolgten aus europäischen Staaten, 33,2 Prozent aus EU-Mitgliedstaaten. Auch bei den Fortzügen war Europa Hauptzielregion: 68,9 Prozent der Abwanderungen gingen in andere europäische Länder, 47,2 Prozent in EU-Staaten.

Humanitäre Migration
Im Jahr 2024 wurden 229.751 Asylerstanträge gestellt, ein Rückgang um 30,2 Prozent gegenüber 2023. 9,3 Prozent der Anträge entfielen auf in Deutschland geborene Kinder unter einem Jahr. 13.344 unbegleitete Minderjährige stellten einen Erstantrag.

Die Zahlen markieren eine deutliche quantitative Abschwächung, bleiben jedoch integrationspolitisch relevant.

Familien- und Erwerbsmigration
97.055 Personen wanderten 2024 aus familiären Gründen ein (-10,5 Prozent). 12.785 davon waren Angehörige von Schutzberechtigten. Das reformierte Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG 2.0), das seit November 2023 schrittweise in Kraft ist, erweitert die Möglichkeiten der Erwerbsmigration. Während die im Ausländerzentralregister erfassten Aufenthaltstitel zur Erwerbsmigration um 24,6 Prozent auf 54.590 zurückgingen, wurden 172.422 Visa zu Erwerbszwecken erteilt (+9,2 Prozent). Der Bericht weist auf statistische Verschiebungen und Untererfassungstendenzen im AZR hin.

Bildungsmigration und Spätaussiedler*innen
49.385 Personen reisten 2024 zu Bildungszwecken ein (-16,6 Prozent), davon 33.125 zum Studium. Der Frauenanteil lag bei 46,2 Prozent. Der Zuzug von Spätaussiedler*innen sank auf 4.328 Personen und erreichte damit wieder das Niveau von 2020.

Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte
Rund 21,2 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte lebten 2024 in Deutschland. Das entspricht 25,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. 75,6 Prozent sind selbst eingewandert, 24,4 Prozent gehören der zweiten Generation an. 43,7 Prozent besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 20,7 Jahre.

Einordnung
Der Migrationsbericht 2024 dokumentiert eine deutliche Abschwächung der Zuwanderung gegenüber dem außergewöhnlich hohen Vorjahr. Zugleich bestätigt er langfristige strukturelle Trends: Migration bleibt demografisch wirksam, Europa ist die zentrale Bezugsregion, und rechtliche Reformen beeinflussen zunehmend die statistische Erfassung.

Die Daten verdeutlichen, dass Migration weiterhin ein dauerhaft prägender Bestandteil gesellschaftlicher Entwicklung in Deutschland ist.

Den Migrationsbericht finden Sie hier.

Für Fragen wenden Sie sich gern an den Paritätischen Gesamtverband. 
Kontakt: Dr. Min-Sung Kim
Referent für Migrationssozialarbeit
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