Mit 6,4 Prozent ist der Anteil pflegebedürftiger Menschen an der Bevölkerung in den vergangenen Jahren weiter deutlich gestiegen. Mehr als 100.000 Menschen sind in Mecklenburg-Vorpommern pflegebedürftig. Demgegenüber fehlt das Pflegepersonal.
„Die vielfältigen Aufgaben in der Pflege können nur gelingen, wenn im Land zukunftsweisend Nachwuchs ausgebildet wird und die Arbeitsbedingungen in der Pflege deutlich verbessert werden“, fordert der Vorsitzende des Paritätischen Mecklenburg-Vorpommern Friedrich Wilhelm Bluschke. „Dafür benötigen wir deutlich mehr Personal und eine konsequente, motivierende Stärkung des Arbeitsumfeldes.“
Die Prognosen der Wissenschaftler zur zukünftigen Situation der Pflege seien durch die Bank besorgniserregend. So ermittelte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Rahmen seines Pflege-Reports einen Anstieg der Pflegebedürftigen im Jahr 2050 in fast allen Bundesländern um 60 bis 70 Prozent. Laut Pflegereport der Bertelsmann Stiftung steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Mecklenburg-Vorpommern bis 2030 bereits um 56 Prozent. Zugleich nehme die Zahl derjenigen ab, die in der Pflege arbeiten. Die Versorgungslücke im Pflegebereich insgesamt könnte sich laut Institut der deutschen Wirtschaft deutschlandweit auf insgesamt knapp 500.000 Fachkräfte vergrößern.
Zur Personalgewinnung müsse die Pflegeausbildung nachhaltig gestärkt werden, damit sowohl ausreichend Fachkräfte als auch qualifizierte Helfer in der Pflege zur Verfügung stehen, fordert der Paritätische. Hier sei auch das Land in der Pflicht: „Sowohl Auszubildende als auch ihre Ausbilder brauchen attraktive Rahmenbedingungen“, sagt Bluschke. Mit einer Koordinierungsstelle sollte das Land die Ausbildungsbetriebe daher durch effektive Kommunikations- und Koordinierungsarbeit konsequent unterstützen. „Wer pflegt uns morgen? Die Pflegeausbildung muss zur Chefsache werden, sonst steuern wir sehenden Auges in eine Katastrophe“, so der Verbandsvorsitzende.
Zur Unterstützung der Fachkräfte in den vollstationären Pflegeeinrichtungen seien heute schon viele helfende Hände zusätzlich notwendig. Für einen angemessenen Personalmix aus Fach- und Hilfskräften fordert der Paritätische eine zügige Flexibilisierung der im Einrichtungenqualitätsgesetz (EQG) festgeschriebenen Fachkraftquote. „Das hat keine Minderung der Pflegequalität zur Folge, sondern ist am Ende ein Gewinn für alle Beteiligten.“
Mit Blick auf die Landtagswahl formuliert der Paritätische Mecklenburg-Vorpommern in seinem Papier „#mvbessermachen. Gemeinsam für eine nachhaltige Sozial- und Bildungspolitik für die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern 2021-2026“ zehn Forderungen an die neue Landesregierung. Als Partner der Politik will sich der Verband mit seinen Erfahrungen und Ideen konstruktiv in die sozialpolitischen Diskussionen einbringen mit dem Ziel, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen für eine umfassende Teilhabe aller Menschen in Mecklenburg-Vorpommern.
Hier finden Sie die Forderungen des Paritätischen Mecklenburg-Vorpommern für eine nachhaltige Sozial- und Bildungspolitik 2021 bis 2026.