Paritätischer Armutsbericht 2019: Armutsquote in MV steigt entgegen dem Bundestrend. MV belegt mit zweithöchster Armutsquote vorletzten Platz

Mit einer Armutsquote von 20,9 Prozent (2018) belegt Mecklenburg-Vorpommern im bundesweiten Vergleich den vorletzten Platz. Das ist das Ergebnis des heute veröffentlichten Armutsberichtes 2019 des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Bundesweit ist die Armutsquote um 0,5 Prozent leicht gesunken, bleibt mit 15,5 Prozent aber auf hohem Niveau. Der Gesamtverband spricht von einer besorgniserregenden Entwicklung mit neuen Problemregionen und fordert einen Masterplan zur Armutsbeseitigung. 

„Im Vergleich zum Vorjahr ist die Armutsquote in Mecklenburg-Vorpommern um 1,5 Prozent gestiegen, während sie die Jahre zuvor kontinuierlich gesunken war“, sagt der Vorsitzende des Paritätischen Mecklenburg-Vorpommern e.V. Friedrich Wilhelm Bluschke. „Das ist ein besorgniserregendes Signal und muss ernstgenommen werden“. 

Die Hauptbetroffenen von Armut sind Arbeitslose, Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Menschen mit Migrationshintergrund oder mit unzureichenden Bildungsabschlüssen und Rentner. Die Armut von Rentner*innen ist in den vergangenen zehn Jahren bundesweit um 33 Prozent und damit so stark wie bei keiner anderen Gruppe angestiegen. „Wie wir seit Jahren immer wieder feststellen, verschwindet Armut nicht einfach bei guter Wirtschaftslage, das macht der Bericht deutlich“, sagt Bluschke. „Auch die gesunkene Arbeitslosigkeit kann über die anhaltend hohe Armut nicht hinwegtäuschen.“

Der Paritätische Gesamtverband untersucht in der vorliegenden Studie die Armutsentwicklung auf Länder- und Regionalebene. Dabei verlaufe der Graben zwischen Wohlstandsregionen und Armutsregionen längst nicht mehr nur zwischen Ost und West, so der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes, Ulrich Schneider. Dem wohlhabenden Süden mit Bayern und Baden-Württemberg mit einer Armutsquote von zusammen 11,8 Prozent stehen NRW mit einer Armutsquote von 18,1 Prozent und der Osten mit 17,5 Prozent gegenüber. Damit zeige sich auch der Westen Deutschlands gespalten. 

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert einen dezidierten Masterplan zur Armutsvermeidung, der die Politikfelder Arbeit, Wohnen, Alterssicherung, Pflege, Gesundheit, Familie, Bildung und Teilhabe umfasst. „Trotz der seit Jahren gleichen Gruppen mit besonders hohem Armutsrisiko ist es bisher nicht gelungen, die Armutsquote nachhaltig zu senken“, so Bluschke. „Um den Abwärtstrend zu stoppen brauchen wir schnellstmöglich Kurskorrekturen in der Alterssicherung, eine individualisierte Arbeitsmarktförderung und Reformen in der Bildung“, so Bluschke und schließt sich damit der Forderung nach einem Masterplan an. 

Den Bericht, weitere Informationen und eine detaillierte Suchfunktion nach Postleitzahlen finden Sie im Internet unter: www.der-paritaetische.de/armutsbericht