Bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung: Schulden machen krank

Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 6. bis 10. Juni 2016 mit dem Schwerpunkt „SCHULDEN MACHEN KRANKheit macht Schulden“ fordert der Paritätische Mecklenburg-Vorpommern spezielle Präventionsprogramme für überschuldete Menschen und eine für alle Betroffenen zügig zugängliche soziale Schuldnerberatung.

 „Der Zusammenhang zwischen Armut und schlechtem Gesundheitszustand bis hin zu einer geringeren Lebenserwartung ist wissenschaftlich eindeutig belegt. Überschuldete und einkommensarme Menschen haben im Vergleich zu anderen ein höheres Risiko zu erkranken“, sagt Friedrich-Wilhelm Bluschke, Vorsitzender des Paritätischen Mecklenburg-Vorpommern, unter dessen Dach neun Mitgliedsorganisationen Schuldnerberatung anbieten. „Andererseits sind Krankheiten häufig auch Ursache für Überschuldung“, so Bluschke. 

Die Teilhabechancen am gesellschaftlichen Leben und an den sozialen Sicherungssystemen sind für überschuldete Menschen häufig eingeschränkt. „Die medizinische Versorgung muss bedarfsgerecht durchgeführt werden können“, sagt Bluschke und stellt sich damit hinter die Forderung der Wohlfahrts- und Fachverbände, eine Regelversorgung sicherzustellen und zielgruppenspezifische Programme zur Gesundheitsprävention anzubieten.

Erkrankung, Sucht oder ein Unfall sind laut Statistischem Bundesamt Hauptauslöser für mehr als jede zehnte Überschuldung in Deutschland. Die Folge dessen ist häufig die Arbeitslosigkeit. „Hier kann eine rechtzeitig und kompetente soziale Schuldnerberatung einen wertvollen Beitrag zur psychischen und physischen Stabilität der Ratsuchenden leisten“, sagt der Vorsitzende des Paritätischen. „Die Schuldnerinsolvenzberatung in Mecklenburg-Vorpommern verfüge über eine hohe fachliche Qualität einschließlich ihrer psychosozialen Betreuung. Ohne eine qualifizierte Schuldnerberatung hätten Menschen häufig keine Chance, die aus ihrer Überschuldung resultierenden Probleme allein zu lösen.

Studien zufolge hat die Schuldnerberatung einen stabilisierenden und gesundheitsfördernden Einfluss auf die Ratsuchenden. Deswegen müsse der kostenlose Zugang zu diesem Angebot für alle überschuldeten Menschen gewährleistet sein. Gleichzeitig müsse man auch an die Schuldnerberaterinnen und –berater denken. Die Beraterkapazität reiche hierzulande für die vielen Ratsuchenden kaum aus, sagt Bluschke. Hinzu kämen die finanziellen Rahmenbedingungen und die psychosoziale Belastung der Fachkräfte. Eine gesicherte Finanzierung von unterstützenden Maßnahmen wie beispielsweise Supervision sei dringend erforderlich.

Die seit 15 Jahren von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) initiierte Aktionswoche Schuldnerberatung macht in diesem Jahr den Zusammenhang von Schulden und Krankheit zum Thema. Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (AG SBV), der auch der Paritätische angehört, will mit der jährlich stattfindenden Aktionswoche die Öffentlichkeit für die Situation überschuldeter Haushalte sensibilisieren und die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Verhinderung von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffener Familien und deren Kinder deutlich machen.