Die Mitgliederversammlung des DJH MV hat am 9. Juli 2025 einen richtungsweisenden Beschluss gefasst:
Teilhabe stärken und die Zukunft des Kinder- und Jugendreisens sichern
„Die Situation ist alarmierend. Klassenfahrten und Jugendfreizeiten drohen zu einem Privileg zu werden, das sich viele Familien schlicht nicht mehr leisten können. Das widerspricht dem Gebot von Teilhabe und Chancengleichheit. Zugleich kommen wir als Jugendherbergen nicht umhin, aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage unsere Preise zu erhöhen, aufgrund steigender Kosten für Energie, Verpflegung und vor allen Dingen Personal. Wir sind Arbeitgeber von rund 190 Beschäftigten, die ebenso betroffen sind von den Folgen der Inflation in den zurückliegenden Jahren und immer höheren Lebenserhaltungskosten.“, so Kai-Michael Stybel, Vorstand des DJH-Landesverbands M-V.
Als freier, gemeinnütziger Träger kann der Verband die größer werdende Lücke zwischen Kaufkraft in den Familien und den eigenen Preisen nicht decken. Folge sind Nachfrageverlust und sinkende Übernachtungszahlen. Um Teilhabe für Kinder und Jugendliche und die Zukunft des Jugendreisens zu sichern, beinhalten die auf der Mitgliederversammlung beschlossenen Forderungen massive finanzielle Aufstockungen des Landeshaushalts in folgenden Bereichen:
1. Erhöhung der Mittel im Landesjugendplan im Doppelhaushalt 2026/27:
Gefordert wird eine bedarfsgerechte Aufstockung um insgesamt 4 Millionen Euro – verteilt auf die Förderung von Jugendverbänden (+1 Mio. Euro), Kinder- und Jugendfreizeiten (+1 Mio. Euro) sowie Investitionen in Einrichtungen der Jugendarbeit, Jugendbildung und -erholung (+2 Mio. Euro).
Die Aufstockung der Freizeitenförderung würde Teilnehmerbeiträge für Eltern senken. Die Investitionsförderung, die im aktuellen Haushalt gestrichen wurde, könnte verhindern, dass die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern Kosten für notwendige Investitionen durch höhere Preise an ihre Zielgruppen weiterreichen müssen. Die Verbandsförderung würde wiederum steigende Personalkosten auf Seiten jener Träger abfedern, die Fahrten durchführen.
„Mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland lebt in Armut“, betonte Dieter Eichler, Geschäftsführer des Paritätischen MV im Rahmen der Beschlussfassung. Das belege der Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands. Besonders groß sei die Armut bei Alleinerziehenden mit einer Armutsquote von 43 Prozent. „Jede Form von Armut grenzt aus und führt zu Benachteiligung. Wir brauchen daher auskömmliche Förderinstrumente, damit Jugendfreizeiten, Klassenfahrten und außerschulisches Lernen allen ermöglicht werden können.“
Absicherung und Dynamisierung von Mitteln ist laut einer zweiten Forderung im Beschluss auch im Schulfahrtenbereich nötig:
2. Absicherung von Dienstreisekosten für Lehrkräfte bei Schulfahrten:
Immer häufiger scheitern Klassenfahrten an fehlenden Mitteln für die Reisekosten von Lehrkräften. Denn die Erstattung von Dienstreisekosten ist Grundlage für die Durchführung einer Klassenfahrt.
„Preise für Reise und Unterkunft steigen, damit steigen die Dienstreisekosten. Bleibt das Budget für Dienstreisekosten aber gleich, werden weniger Fahrten genehmigt.“, erläuterte Dr. Wolfgang Brix, Verbandspräsident, Aufsichtsratsvorsitzender und selbst ehemaliger Lehrer zur zweiten Forderung im Beschluss. Zuletzt hatte das Land Berlin die Genehmigung von Klassenfahrten ausgesetzt, weil das Geld für Dienstreisekosten von Lehrkräften im Landeshaushalt fehlte. Stornierungen aus dem für die Jugendherbergen in M-V wichtigsten Quellmarkt waren die Folge. Dr. Brix betonte: „Das darf sich in Mecklenburg-Vorpommern nicht wiederholen, die Budgets müssen ausreichend und dynamisch abgesichert sein.“
Die dritte Forderung im Beschluss befasst sich mit dem Fachkräfteproblem im Land:
3. Wirksame Fachkräftegewinnung für den Bereich Jugendreisen und Jugendhilfe:
Im Beschluss warnt die Mitgliederversammlung davor, dass Fachkräftemangel die Zukunftsfähigkeit von Jugendherbergen, Jugendhilfeträgern und Betrieben im Umfeld der Jugendherbergen gefährdet. Dr. Brix hierzu: „Immer mehr junge Menschen leiden unter psychischen Problemen und weisen eine geringe Sozialkompetenz auf. Eine Entwicklung die, insbesondere seit den Coronajahren, durch zahlreiche Jugendstudien bestätigt wird. Um auch diese betreuungsbedürftigeren Kinder mitzunehmen, müsste der Betreuungsschlüssel auf Fahrten erhöht werden. Das ist jedoch häufig nicht umsetzbar, weil qualifiziertes Personal bei den Trägern fehlt oder durch Lehrermangel niemand für die Fahrtenbetreuung entbehrt werden kann.“
In ihrem Beschluss fordert die Mitgliederversammlung daher wirksame Strategien zur Fachkräftesicherung und betont die langfristige Bedeutung von Jugendreisen für das Land sowie für die Fachkräftegewinnung selbst:
„Jugendreisen binden junge Menschen emotional an ihre Herkunftsregion oder ihr Reiseziel. Sie fördern nicht nur soziale Kompetenzen und Demokratieverständnis – sie sind auch Standortfaktor für die Fachkräfte von morgen. Um dieses Potenzial zu nutzen, muss die Zukunft des Jugendreisens abgesichert werden“, so Dr. Brix abschließend.
Beschluss der Mitgliederversammlung des DJH-Landesverbandes M-V zu verbandspolitischen Forderungen
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