Armutsbericht 2016: Paritätischer kritisiert anhaltend hohe Armut und fordert sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel

Die Armut in Deutschland verharrt auf einem hohen Niveau. Das geht aus dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverband hervor, der erstmals unter Mitwirkung weiterer Verbände und Fachorganisationen erschienen ist.

Mit 15,4 Prozent ist die Armut in Gesamtdeutschland 2014 im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,1 Prozentpunkte auf 15,4 Prozent gesunken. Rechnerisch sind danach 12,5 Millionen Menschen einkommensarm. Das gute Wirtschaftsjahr 2014 habe zu keinem nennenswerten Rückgang der Armutsquote in Deutschland geführt, so der Bericht.

Mit 21,3 Prozent konnte Mecklenburg-Vorpommern 2014 seine Armutsquote im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozentpunkte erstmals seit 2006 wieder deutlich abbauen, liegt aber immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Während in neun Bundesländern die Armutsquoten gesunken seien, belegt der Bericht einen Anstieg der Armut in den bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen. Besonders das Ruhrgebiet bleibe mit Blick auf Bevölkerungsdichte die armutspolitische Problemregion Nummer eins in Deutschland.

Die am stärksten von Armut betroffenen Gruppen sind nach dem Bericht Erwerbslose (58%). Auch die Kinderarmut liege in Deutschland mit 19 Prozent immer noch deutlich über dem Durchschnitt, wobei die Hälfte der armen Kinder in Haushalten Alleinerziehender lebt. Die Armutsquote Alleinerziehender liegt sogar bei 42 Prozent.

Alarmierend sei die Entwicklung insbesondere bei den Rentnerhaushalten. Erstmalig seien sie mit 15,6 Prozent überdurchschnittlich von Armut betroffen. Die Armutsquote der Rentner in Deutschland sei um 46 Prozent höher als zu Beginn der Erhebung 2005, als es noch 10,7 Prozent waren. Damit sei die Quote zehnmal so stark gestiegen wie die Gesamtarmutsquote in Deutschland und damit beispiellos in der Rasanz des Anstiegs.

Die Schere zwischen Arm und Reich wächst ungebrochen: Der Abstand zwischen Baden-Württemberg mit der geringsten Armutsquote (11,4%) und Schlusslicht Bremen (24,1%) ist immer noch sehr hoch. Der Paritätische fordert deswegen endlich eine konsequente Armutspolitik. Diese hätte eine ebenso konsequente Umsteuerung in der Steuerpolitik sowie einen Kurswechsel in der Sozialpolitik zur Voraussetzung.

Den Bericht und weitere ausführliche Informationen finden Sie auf der Seite des Paritätischen Gesamtverbandes unter www.der-paritaetische.de/armutsbericht.

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